Natürlich müsste es jeder, der ehrlich an der dauerhaften, friedlichen Lösung dieses Jahrhundertkonflikts interessiert ist, eigentlich ohne Wenn und Aber begrüßen, wenn zwischen Israelis und Palästinensern wieder verhandelt wird. Wie anders sollte eine Lösung zustande kommen? Auch wäre durchaus gutzuheißen, wenn seitens der US-Administration weiter entsprechender Druck erfolgte. Denn ohne ihn wäre kaum ein tragfähiges Ergebnis zu erwarten. Wegen der benachteiligten Stellung der Palästinenser sitzen nun einmal keine gleichberechtigten Partner am Verhandlungstisch.
Dennoch muss man arge Zweifel daran hegen, dass dieser Verhandlungsrunde mehr Erfolg beschieden sein soll als der 2010 gescheiterten beziehungsweise auch all den anderen zuvor. Ist doch allein deren kurz nach offiziellem Beginn schon wieder erfolgte Unterbrechung durchaus kein gutes Omen für sie. Stattdessen kommt der Verdacht auf, dass Kerrys Drängen in erster Linie dazu dienen soll, das wegen ihrer ziemlich verkorksten Nah- und Mittelostpolitik angeschlagene Image der Obama-Administration etwas aufzupolieren. Manche Analysten, wie Jeff Halper von der israelischen zivilgesellschaftlichen Organisation ICAHD, hingegen vermuten, dass es dabei um nichts anderes gehe als den Versuch, den Palästinensern eine „Pax Israeliana“ zu oktroyieren.  Zwischen beidem muss durchaus kein Widerspruch bestehen.
Es ist doch nicht zu übersehen, dass sich Kerrys eigentlicher Druck zur Wiederaufnahme der Verhandlungen gegen die palästinensische Seite gerichtet hat. Dieser ist der Verzicht auf ihre völlig berechtigten beiden Grundforderungen abgerungen worden: Sie wollte erst unter der Voraussetzung wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, dass Israel seinen Siedlungsbau nachweislich stoppt und die 1967er Grenzen als Verhandlungsgrundlage dienen. Lediglich die Freilassung von 104 palästinensischen Gefangenen ließ sich von ihr schließlich noch durchsetzen.  Und wenn Kerry dann auch noch vollmundig ein Verhandlungsergebnis in neun Monaten in Aussicht stellt, wird die Skepsis nur noch weiter genährt. Hatte seinerzeit doch George W. Bush ebenfalls schon mit einem analogen Zeitfenster operiert, wonach der Palästina-Staat seit 2009 hätte bereits existieren müssen. Von allen davor immer wieder erneut ins Spiel gebrachten konkreten Jahreszahlen , die sich dann doch stets in Schall und Rauch aufgelöst haben, gar nicht zu reden.

Parteilichkeit bisheriger US-amerikanischer Vermittlung
Bei aller notwendigen bilateralen Einigung über die wichtigsten Streitfragen müsste angesichts des gegebenen Ungleichgewichts der Kräfte unbedingt auch die Voraussetzung einer unparteiischen Vermittlerrolle erfüllt sein. Genau daran aber hat es bislang stets gehapert.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Obama-Administration keinesfalls von ihrer Vorgängerin unter George W. Bush. Selbst, als seine Partei im US-Kongress noch über die Mehrheit verfügte, hat es Obama an Konsequenz fehlen lassen. Zwar wartete er gleich am Beginn seiner ersten Amtszeit mit der strikten Forderung nach einem dauerhaften Stopp des israelischen Siedlungsbaus auf, kapitulierte dann aber recht schnell vor der Verweigerung der israelischen Regierung. Als sich die palästinensische Seite dazu entschloss, den Antrag auf Aufnahme als UN-Mitglied auf der Grundlage der völkerrechtlich für den Palästina-Staat definierten Grenzen von 1967 zu stellen, war es die Obama-Administration, die diesen Schritt mit der Androhung ihres Vetos im Sicherheitsrat blockierte.
Überschaut man den sich über reichlich zwei Jahrzehnte hinziehenden Verlauf der israelisch-palästinensischen Verhandlungen unter US-amerikanischer Ägide – von der Madrider Konferenz 1991 bis hin zur Annapolis-Konferenz 2007 oder den beiden von Obama initiierten Runden – so offenbart sich die ganze Parteilichkeit der US-Vermittlung. Statt die ohnehin extrem ungleiche Kräftebalance zwischen den beiden Verhandlungspartnern auszugleichen, ließ sie zu, dass sich diese Schere noch weiter zugunsten Israels öffnete. Dabei sind die Chancen für die Errichtung eines lebensfähigen Palästina-Staates an der Seite Israels immer weiter geschwunden. Denn nicht nur stehen nach wie vor dieselben Streitfragen auf der Tagesordnung; vielmehr scheint deren Lösung zumindest in wesentlichen Bestandteilen heute noch aussichtsloser als zum Zeitpunkt der Aufnahme direkter israelisch-palästinensischer Gespräche zu Beginn der 1990er Jahre. In der Zwischenzeit hat Israel seine Siedlungen und die damit verbundene Infrastruktur, einschließlich der nur von Siedlern zu benutzenden Straßen, zielstrebig weiter ausgebaut und die Trennmauer mancherorts weit auf palästinensisches Gebiet vorgeschoben. Auf diesem Wege hat es sich quasi die Hälfte der den Palästinensern völkerrechtlich zugesprochenen 22 Prozent des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina einverleibt – sprich die so genannte Zone C (rund 60 Prozent der Westbank), die nach den Vereinbarungen von Oslo zeitweilig israelischer Kontrolle unterstellt worden war.  
Während Israel unter US-amerikanischer Vermittlung mit den Palästinensern am Verhandlungstisch gesessen hat, um sich mit ihnen über eine Konfliktlösung zu einigen, ist es von niemandem daran gehindert worden – außer von Zeit zu Zeit abgegebenen Statements, mit denen verbal die Siedlungspolitik als illegitim gerügt wurde -, seine ohnehin schon stärkere Verhandlungsposition durch die Schaffung weiterer „facts on the ground“ auszubauen und die der palästinensischen Seite zusätzlich zu schwächen. Illegitim angeeignetes fremdes Territorium soll so irgendwann auch von äußeren Betrachtern als selbstverständliches israelisches Gebiet angesehen werden.  
Offensichtlich ist es den US-Administrationen, wenn auch mit graduellen Abstufungen, mit ihrer Vermittlertätigkeit bei allen diesen Verhandlungsrunden weniger um eine tragfähige Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts unter Berücksichtigung auch der legitimen nationalen Interessen der Palästinenser gegangen. Stattdessen wollen sie diesen Konflikt so managen, dass er den eigenen Interessen und denen des strategischen Verbündeten Israel am ehesten gerecht wird. Das schließt partielle Interessenkollisionen keineswegs aus, denn gegebenenfalls erdreisten sich israelische Regierungschefs sogar, US-Präsidenten vor aller Welt vorzuführen. Darin scheint insbesondere der israelische Premier Netanjahu ein Meister zu sein. Nach Meinung von Insidern verfüge er über größeren Einfluss im US-Kongress als der jetzige Präsident Obama.  

Festgezurrtes israelisches Lösungsverständnis
Vielleicht plagt Netanjahu insgeheim ja wirklich die Sorge, dass ein endgültiges Scheitern der Zwei-Staaten-Option nolens volens zu einem bi-nationalen Staat zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss führen könnte.  Dennoch ist er an ernsthaften Verhandlungen über die von der palästinensischen Seite eingeforderte und durch das Völkerrecht gedeckte Zwei-Staaten-Lösung sichtlich nicht interessiert. Ihm liegt vielmehr an der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Status Quo, basierend auf der Durchsetzung des Rechts des Stärkeren. Viel lieber möchte er das Palästinaproblem von der Prioritätenliste verschwinden lassen, indem er sich auf die Frage der Verbesserung der sozialökonomischen Lage der Palästinenser, auf einen „ökonomischen Frieden“, fokussiert.
Wenn sich Netanjahu nun doch von Kerry sichtlich lustlos zur Wiederaufnahme der direkten Gespräche mit der palästinensischen Seite hat überreden lassen, so vor allem, um international nicht als verhandlungsunwillig dazustehen. Aber zugleich hat er seine Prinzipien für derartige Gespräche erneut festgezurrt. So wurde Westerwelle während seines Israel-Besuchs im August 2013 ausdrücklich davor gewarnt, die von der EU beschlossenen Richtlinien zum künftigen Umgang mit in israelischen Siedlungen hergestellten Produkten zur Anwendung zu bringen. Mit ihnen würde der Friedensprozess gefährdet; denn dienten sie doch lediglich dazu, die Palästinenser zu ermuntern, unrealistische Forderungen zu stellen. Indessen könne die Lösung nur durch direkte Gespräche und nicht durch internationale Diktate erfolgen.  
Etwas anderes als diese fragwürdigen Unterstellungen dürfte wohl auch kaum zu erwarten gewesen sein, steht doch Netanjahu seit dem 18. März 2013 einer Koalitionsregierung vor, die als die bislang Siedler freundlichste überhaupt gilt und deren erklärte Maxime die historische Bindung an Erez Israel ist. Will heißen, Israel unter Einschluss der palästinensischen Westbank - im offiziellen Sprachgebrauch ohnehin nur als Judäa und Samaria bezeichnet.  
Über die Jahre hat Israel die internationale Öffentlichkeit im Grunde daran gewöhnt, dass die Ankündigung des Baus weiterer Siedlungen als eine Art Strafmaßnahme gegen als missliebig empfundene Aktionen erfolgt, sei es nun der Gang der Palästinenser zur UNO oder selbst die US-amerikanische Aufforderung zur Rückkehr an den Verhandlungstisch. Nunmehr also soll auch die berüchtigte E1-Zone zwischen Jerusalem und Maaleh Adumim zielstrebig besiedelt werden, womit dann schließlich die Westbank in der Mitte geteilt und die wichtigste Straßenverbindung der Palästinenser zwischen der nördlichen und der südlichen Westbank durchschnitten wäre. Ost-Jerusalem als mögliche Hauptstadt eines Staates Palästina wird in verschiedensten internationalen Berichten schon wie selbstverständlich als unrealistisch angesehen.
Die als israelische Verhandlungsführerin bestallte und im Netanjahu-Kabinett außerdem noch für das Justizressort zuständige Tzipi Livni hatte bereits im Vorfeld der wieder angesetzten Verhandlungsrunde kundgetan, dass nicht von außen festgelegte Grenzverläufe – sprich die völkerrechtlich definierten 1967er Linien – zur Verhandlungsgrundlage zu nehmen sind. Vielmehr seien diese erst auszuhandeln. Auf diese Weise sollen die besetzten palästinensischen Gebiete als so genannte umstrittene Gebiete betrachtet werden. Allein der Kulanz der israelischen politischen Klasse solle obliegen, auf welche Teile der Westbank Israel zu verzichten bereit wäre. Die Jordansenke gehörte mit Sicherheit nicht dazu; höchstwahrscheinlich auch nicht die beiden, bereits über Stadtrecht verfügenden Ansiedlungen Maaleh Adumim und Ariel, teilweise beträchtlich von der 1967er Grenzlinie entfernt auf palästinensischem Territorium gelegen. Wie Ost-Jerusalem, so gelten auch die großen Siedlungsblöcke quasi als israelisches Gebiet.
Deshalb also will man die Siedlungsfrage lediglich als ein erst im Verhandlungsprozess zu regelndes Problem gelten lassen. Was sie inzwischen auch ist. Bestehen mittlerweile doch schon 120 Siedlungen nebst ungezählten „Außenposten“ mit weit über 500.000 Kolonisten – Netanjahu selbst spricht bereits von um die 650.000. Von denen eine wachsende Zahl religiös-nationalistisch und mithin besonders Palästinenser feindlich ausgerichtet ist – in der wahnhaften Überzeugung, sich auf den Juden von Gott verheißenem Land niederzulassen. ) Die Forderung nach einem Stopp des Siedlungsbaus vor Verhandlungsbeginn – zweifellos eine vertrauensbildende Maßnahme – hätte indessen zur Folge, dass während des laufenden Verhandlungsprozesses keine weiteren „facts on the ground“ geschaffen werden könnten.
Von der Politik einst dafür instrumentalisiert, dem Staat Israel durch Kolonisierung der palästinensischen Gebiete zusätzliche Kontrollmöglichkeiten bis hin zu territorialen Zugewinnen zu erschließen, verkörpern die Siedler heute bereits einen solchen Kräftepol, an dessen Interessen auch eine nicht so Siedler freundliche Regierung wie die jetzige nicht mehr so einfach vorbeikommt. Bei entsprechendem politischen Willen gäbe es jedoch selbst dafür Lösungen.

Interne palästinensische Dilemmata
Für die palästinensische Seite kommt die Wiederaufnahme der direkten Gespräche zum jetzigen Zeitpunkt höchst ungelegen, da ihre unter den gegebenen Rahmenbedingungen ohnehin schwache Position durch eigene Querelen noch zusätzlich geschwächt ist. Vermochte sie doch die seit 2007 bestehende politisch-geografische Spaltung bisher nicht zu überwinden. Damit stellt sich die Frage nach der Legitimation der Verhandlungsführerschaft.
Wenn auch zu keiner Zeit völlig einig, stellte die PLO beim Zustandekommen der Osloer Vereinbarungen vor 20 Jahren unumstritten die einzig legitime Vertreterin der Palästinenser dar. Mit dem Entstehen und Wirken von Hamas hat sich jedoch die politische Kräftekonstellation grundsätzlich verschoben. Alle Bemühungen, die Hamas in die PLO zu integrieren sind trotz deren mehrfach bekundeter Beitrittsabsicht bis heute fehlgeschlagen. Ein entscheidender Punkt dabei ist zweifellos die Haltung zum Staat Israel, dessen Recht auf Existenz die Hamas zumindest offiziell nach wie vor in Abrede stellt. Nichtsdestoweniger ist ohne Einbeziehung der Hamas jedes Ergebnis von Verhandlungen mit Israel á priori in Frage gestellt. Damit bliebe zugleich die Möglichkeit erhalten, die beiden politischen Hauptkräfte Fatah und Hamas auch fürderhin gegeneinander auszuspielen. Das hat Israel bislang weidlich für sich ausgenutzt. Vor allem ist die Fatah, die sich expressis verbis zu einer politischen Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts bekennt, gegenüber Hamas dadurch in hohem Maße desavouiert worden, dass sie im bisherigen Verhandlungsprozess mit Israel die versprochene Gründung eines palästinensischen Staates schuldig bleiben musste. Währenddessen trafen die Israelis mit der offiziell politisch boykottierten Hamas hinter den Kulissen Absprachen verschiedenster Art: Waffenstillstände oder Gefangenenaustausche bis hin zur Freilassung der über 1000 palästinensischen Gefangenen, die Hamas natürlich als großen politischen Erfolg für sich zu verbuchen wusste.
Angesichts dessen kann es kaum verwundern, dass die von Abbas erklärte Bereitschaft zur direkten Wiederaufnahme direkter Gespräche unter den Palästinensern auf deutlichen Unmut gestoßen ist. Dies  um so mehr, als Kerry Abbas auch noch zum Verzicht auf die dafür eigens fixierten Prämissen zu drängen vermochte. . Selbst innerhalb seines PLO-Exekutivkomitees hat er sich deswegen Kritik vor allem seitens PFLP, DFLP und PPP, wie ebenso auch von Al-Mubadira, eingehandelt.
Kritik übt selbstredend auch Hamas, die die Gespräche für unsinnig hält. Steht sie doch einer ausgehandelten Zwei-Staaten-Lösung skeptisch bis ablehnend gegenüber. Lieber wäre ihr die Vereinbarung eines längerfristigen Waffenstillstandes mit Israel. Denn Palästina sei niemandes Eigentum, es stehe weder zum Tausch noch gar zum Verkauf.  Dem widerspricht nicht, dass sich einige ihrer Vertreter, darunter Politbüro-Chef Khaled Mashal, bereits wiederholt zu der Zwei-Staaten-Lösung bekannt haben, wenn sie in den Grenzen von 1967 erfolge und dann von den Palästinensern per Referendum bestätigt werde.
Auch der Gang der Palästinensischen Administration zur UNO ist anscheinend von Hamas akzeptiert und die Aufnahme Palästinas am 29. November 2012 als beobachtender Nichtmitgliedstaat begrüßt worden, insbesondere das überzeugende positive Votum mit 138 Ja-Stimmen gegen 9 Nein-Stimmen (darunter Israel) sowie 41 Enthaltungen. Immerhin ist so die Möglichkeit entstanden, sich zur Verbesserung der palästinensischen Position gegenüber Israel wegen der israelischen Siedlungs- und Landnahmepolitik an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu wenden.
Dass sich Hamas und Fatah bei der Überwindung der bestehenden Gräben so schwer tun, hat natürlich damit zu tun, dass sich beide Parteien inzwischen jeweils im Status Quo eingerichtet haben und keine Seite die derzeitig ausgeübte Kontrolle aufgeben will. Inwieweit der Sturz von Mursi und der politische Niedergang der Muslimbruderschaft in Ägypten Konsequenzen für beider Verhältnis haben wird, da Hamas einer seiner bedeutsamsten Stützen verlustig gegangen ist, muss abgewartet werden. Ebenso, ob Qatar sich weiterhin so intensiv darum bemühen wird, kraft seines Einflusses innerhalb der Arabischen Liga und seiner beträchtlichen Finanzspritzen Hamas in die Rolle des politischen Meinungsführers der Palästinenser zu hieven.
Die palästinensische Seite wurde ohne vorherige Versöhnung und interne Verständigung in diese neuerliche Verhandlungsrunde gedrängt. Das lässt darauf schließen, dass es dabei nicht um die dringend gebotene tragfähige Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts gehen soll, sondern in erster Linie um die Interessen der USA und Israels.

Hat sich das Zwei-Staaten-Konzept überlebt?
Während des gesamten bisherigen Verlaufs der Verhandlungen über die Zwei-Staaten-Option haben sich die Realitäten in gegenläufiger Richtung entwickelt, sind die Voraussetzungen für diese Option mehr und mehr geschwunden. Damit hat die Debatte, ob dieses Konzept nicht überhaupt schon gänzlich obsolet geworden sei, sichtlich an Fahrt aufgenommen. In intellektuellen Kreisen unterschiedlicher Provenienz wird seit geraumer Zeit die Frage nach der Notwendigkeit von Alternativkonzepten aufgeworfen. Im Fokus dabei steht die Idee eines bi-nationalen Staates bzw. der Ein-Staatlichkeit.   Diese ist allerdings keinesfalls so originell wie sie auf den ersten Blick scheint.  
Hat doch die Idee des bi-nationalen Staates einst schon in den 1930er Jahren die intellektuelle Debatte bestimmt. Wie bereits dargestellt, scheint sie heute selbst unter rechten israelischen Kreisen Verbreitung zu finden. Auch die PLO hat ihr angehangen, bevor sie sich zum Zwei-Staaten-Konzept bekannte – politisch ausgedrückt in der Proklamierung des Staates Palästina in den Grenzen von 1967 an der Seite Israels auf ihrem Nationalkongress 1988 in Algier.
Daran hält sie nicht ohne Grund bis heute fest, weil sie darin am ehesten die Möglichkeit sieht, das legitime Recht der Palästinenser auf nationale Selbstbestimmung in einem unabhängigen Staat zu verwirklichen. Auch die Arabische Liga bekennt sich gemäß den Beschlüssen ihres 24. Gipfeltreffens Ende März 2013 in Doha weiterhin dazu. Dabei beruft sie sich auf die von der Gipfelkonferenz 2002 in Beirut verabschiedete und dann 2007 in Riad erneuerte „Arabische Initiative“. Diese stellt Israel volle diplomatische Beziehungen in Aussicht, wenn es der Errichtung eines Staates Palästina in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt sowie der Regelung der Flüchtlingsfrage auf der Grundlage der UN-Resolution 194 aus dem Jahre 1948 zustimmt.
Mit dem Schritt von Abbas, die Palästina-Frage wieder zu einer Pflichtangelegenheit der UNO zu machen, wurde insofern ein Durchbruch erzielt, als Palästina seit November 2012 zwar nicht wie gewünscht Vollmitglied, aber doch Beobachterstaat in der UNO ist und zuvor seine Aufnahme in die UNESCO erfolgte. Das eindeutige Mehrheitsvotum innerhalb der UN-Vollversammlung bekräftigte nachdrücklich das legitime Recht der Palästinenser auf Existenz in einem unabhängigen Staat an der Seite Israels. Somit ist der Staat Palästina zumindest international gesehen ein politisches Faktum, an dem auch Israel nicht mehr so leicht vorbeikommt.
Von Interesse sind Überlegungen von Ex-Knesset Präsident Avraham Burg, der seit jeher zu den zionistischen „Tauben“ zählt und sich unter anderem seit zwei Jahren im Wiener Bruno Kreisky-Forum für Internationalen Dialog engagiert. Auch er tritt nachdrücklich für einen seiner Meinung nach zwingend gebotenen Paradigmenwechsel im Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern ein, der sich auf die Erkenntnis stützen müsse, wonach das Schicksal von Israelis und Palästinensern unauflöslich miteinander verbunden sei, beide Teil der nahöstlichen Region wären und folglich niemandem das Recht auf Privilegien oder exklusive Souveränität über das gesamte territoriale Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer zustehe.
Davon ausgehend brachte er die durchaus gleichfalls schon einmal in der Vergangenheit kursierende Idee der Konföderation ins Spiel.  Obwohl auch diese sicherlich mit vielerlei Widerständen zu rechnen hätte, schiene sie ihm dennoch am ehesten praktikabel, weil sie eine Art Bindeglied zwischen der Zwei-Staaten-Option und dem bi-nationalen Ein-Staatenkonzept darstellt.  Sicherlich nicht ganz belanglos in diesem Kontext ist, dass vor kurzem sogar Hamas-Chef Khaled Mashal, obzwar seitens anderer Hamas-Vertreter schnell wieder dementiert, einen solchen Föderationsgedanken zumindest schon einmal ausgesprochen hat – unter der Bedingung, dass zuvor ein unabhängiger Palästina-Staat proklamiert worden sei.
Die Crux indessen ist, dass weder die Arabische Liga noch jene westlichen Staaten, darunter Deutschland, die sich in ihren politischen Statements gleichfalls für die Zwei-Staaten-Lösung aussprechen, den notwendigen Willen erkennen lassen, sich für deren Realisierung auch entsprechend konsequent zu verwenden. Damit nehmen sie, ob nun gewollt oder nicht, jedoch in Kauf, dass sich das Zeitfenster für die Zwei-Staaten-Lösung mehr und mehr schließt.
Zumal auch gerade unter der heranwachsenden jungen Generation auf palästinensischer Seite sich – und zwar geleitet von der Überzeugung, ohnehin mit Israel zu keinem fairen Abkommen gelangen zu können, die Auffassung verbreitet, dass es keine Eile mehr hat, sich in Verhandlungen mit Israel zu begeben. Ihnen ist vielmehr daran gelegen, endlich einfach ein besseres Leben führen zu können mit einer sicheren Perspektive für sich und ihre Familien.
Jeder, der in erster Linie für die Interessen Israels eintritt, sollte bedenken, dass ohne eine tragfähige Lösung des Palästina-Problems letztlich auch die Sicherheit Israels und ein friedliches Zusammenleben der Völker in Frage stehen.