Liebe Mitglieder und Freunde des Nahost-Forums,

zu später Stunde strahlte die ARD am Montagabend, 16. Januar 18, unter dem Titel „Bomben für die Welt“ einen Beitrag über die Geschäftspraktiken der traditionsreichen Rüstungsschmiede Rheinmetall AG aus (sh. www.tagesschau.de/inland/bomben-105.html). Gezeigt wurde, wie das Unternehmen deutsche Exportbeschränkungen mit Hilfe von Tochterunternehmen in Italien und Südafrika aushebelt. Von dort werden vielfältige Rüstungsgüter und zahlreiche komplette Waffenfabriken unkontrolliert in Krisenregionen und an kriegführende Staaten u.a. im Nahen Osten geliefert. So stammen ob ihrer Wirksamkeit gepriesene Fliegerbomben, die von der saudischen Luftwaffe und ihren arabischen Unterstützern im Jemen massiv eingesetzt werden, von einer 100%igen RM-Tochter auf Sardinien. Die Bundesregierung erklärt sich ob der ausländischen Standorte für nicht zuständig, die Italiener und Südafrikaner tun dies ebenfalls – unter Verweis auf den deutschen Ursprung des Unternehmens. So lässt sich ungestört produzieren und mit dem Tod Tausender jemenitischer Frauen und Kinder richtig Geld verdienen: Die börsennotierte Rheinmetall-Aktie legte allein im vergangenen Jahr um satte 70 Prozent zu; 2018 stieg ihr Kurs bereits um weitere 7 Prozent.

Man kann das bedauern, auch das Verhalten unserer Regierung als skandalös bezeichnen. Man kann den Bundestagsabgeordneten des eigenen Wahlkreises kontaktieren und fragen, was er oder sie auf parlamentarischem Wege gegen die Praktiken der Düsseldorfer Konzernchefs zu unternehmen gedenkt.

Es gibt jedoch einen weiteren Aspekt, der Sie möglicherweise ganz persönlich betrifft: Falls Sie wie ich Kunde einer Sparkasse sind, vertrauen Sie einem Unternehmen, das offenbar finanziell in das große Morden im Jemen eingebunden ist. Vermutlich sogar mit Ihrem Ersparten: In dem TV-Beitrag wurde darauf verwiesen, dass Aktienfonds der DEKA Investment-Gruppe („das Wertpapierhaus der Sparkassen“) zu den Großaktionären von Rheinmetall gehören!

Gegebenenfalls sollten Sie erwägen, Kontakt zu Ihrem Sparkassen-Berater zu suchen: Er oder sie hat Ihnen in Kenntnis dieser Beteiligungen die DEKA-Anteile – „vielfältige Chancen bei reduzierten Risiken“ – empfohlen und dafür Bonuszahlungen kassiert. Wohl wissend, dass das angeblich reduzierte Risiko nur für Anleger und Berater gilt. Nicht für die leidgeplagte Zivilbevölkerung im Jemen und an anderen Konfliktherden dieser Welt.

Vielleicht kennen Sie ja auch weitere Sparkassen-Kunden, die das interessieren könnte…

Freundliche Grüße
Thomas Schulze, Berlin
18. Januar 2018